Antje Hermenau: „9. November: Aufbruch in die Republik – Tag der Schande – Tag der Freiheit“

(…) Am 9. November 1918 verweigerten Matrosen der Hochseeflotte in Kiel und Wilhelmshaven einem Staat die Gefolgschaft, weil er sinnlos handelte. (…) Am 9. November 1923 ist es allerdings so gewesen, dass es diesen Marsch in München, der ein Marsch auf Berlin werden sollte, gegeben hat. Hitler wurde zu fünf Jahren verurteilt, von denen er 13 Monate absaß inklusive der Untersuchungshaft. Die Justiz war so unglaublich milde mit diesem Mann. Das war aber auch das Jahr, in dem Sigmund Freud „Das Ich und das Es“ veröffentlicht hat. (…) Am 9. November 1938 war dann die Reichspogromnacht, die gerade eindrücklich geschildert wurde. (…) Und der 9. November 1989? Wieder die Situation, dass Leute einem Staat, weil er sinnlos handelt, die Gefolgschaft verweigern – völlig korrekt – und ein verhutzelter, sich verhaspelnder Schabowski vor die Kameras tritt und erzählt: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ – Dann wird gefragt: Ab sofort? – „Ähm, ja, ähm, ab sofort.“
Wenn Sie sich an diese Situation nicht erinnern wollen, wie wenig es eigentlich braucht, eine Regierung, die nicht durch Autorität und Demokratie legitimiert ist, abzusetzen: Das zeigen 1918 und 1989; es ist übrigens auch das Jahr, in dem Rolf Henrich „Der vormundschaftliche Staat“ veröffentlicht hat. (…)
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