PM 2012-343: Jubelstudie der Staatskanzlei ist rausgeschmissenes Geld
Zur aktuellen Debatte der Fraktionen CDU/FDP zum Thema ‚Attraktive Heimat – Positive Perspektiven für Sachsens Jugend‘ erklärt Elke Herrmann, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:
"Was ist denn der eigentliche Anlass der Debatte? Wenn wir unsere Wertschätzung und die Bedeutung der Jugend für Sachsen zum Ausdruck bringen wollen, müssen wir darüber reden, wie und wo sich das im Finanzhaushalt des Landes niederschlägt und nicht eine von der Staatskanzlei beauftragte Jubelstudie heranziehen."
"Muss die Staatskanzlei für etwas, das wir besser und fundierter in vorhandenen Studien finden, Geld ausgeben? Nein, die Mittel wäre viel besser an anderer Stelle ausgegeben. Aktuelle Zahlen des statistischen Landesamtes belegen vielmehr, dass nach wie vor etwa 42.000 junge Menschen im Alter von 15-25 Jahren jährlich aus Sachsen fortziehen. Die haben sie mit der Studie überhaupt nicht erreicht."
"Legen Sie uns – wie im Gesetz vorgesehen – den 4. Sächsischen Kinder- und Jugendbericht vor. Da haben wir insbesondere eine Studie zur Landjugend in Sachsen gefordert, das sollte die Diskussionsgrundlage sein und keine eigene Studie mit fragwürdigem Design."
"Greifen sie doch die Themen auf, die Ihnen die Jugendlichen, auf dem von der Staatsregierung veranstalteten ConFestival, mitgegeben haben. Das Thema ‚Jugendbeteiligung in Kommunen‘ zum Beispiel war am besten besucht. Dort wurde u.a. gefordert, dass Jugendbeteiligung in Sachsen gesetzlich verankert wird. Am 23.Mai 2012 wurde der GRÜNE Entwurf zum Kinder- und Jugendrechtsstärkungsgesetz angehört, da hat die CDU noch nicht einmal eigene Sachverständige benannt."
"So sieht es mit der Wertschätzung der Koalition für die Anliegen der Jugend aus."
In der Zeitung zum ConFestival ist zu lesen: >>An Vorschlägen mangelt es den jungen Sachsen jedenfalls nicht – um die Umsetzung kümmern sich dann die ‚großen‘ Politiker.<<
"Das ist mehr als bezeichnend. So haben das die Jugendlichen sicher nicht gemeint."
» Vollständiger Redebeitrag Elke Herrmann
Hintergrund:
Für die Jugendstudie "Lebensziele junger Menschen in Sachsen" wurden 1.000 deutschsprachige junge Menschen in Sachsen mit Festnetzanschluss befragt. Diese Studienergebnisse sind weder nach Geschlecht noch nach der Herkunft der Befragten (städtischer oder ländlicher Raum) differenziert. Auch ist eine Differenzierung nach Altersgruppen nur bedingt ausgewiesen.
» Infos zum ConFestival
Die Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen, dass die Zahl der jungen Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahre die jährlich aus Sachsen abwandern, bei etwa 42.000 im Jahr liegen.