Datum: 14. Juli 2011

PM 2011-231: GRÜNE: Entgegen aller fachlicher Expertise will Umweltminister Kupfer Wolf unter Jagdrecht stellen

Zu der nun offenbar von Umweltminister Frank Kupfer (CDU) endgültig gefällten Entscheidung, den Wolf in Sachsen unter das Jagdrecht zu stellen, erklärt Johannes Lichdi, naturschutzpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Landtagsfraktion:
"Minister Kupfer hat in der von uns beantragten Landtagsanhörung am 10. Juni 2011 den Experten anscheinend nicht zugehört: Bis auf einen lehnten alle anderen eine Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ab."
"Kupfers Einknicken vor der Jägerlobby entgegen aller fachlichen Argumente wirft ein dunkles Licht auf den Stellenwert des Artenschutzes in der Staatsregierung. Der Minister beruft sich bei seinem Vorhaben auf ein Rechtsgutachten, dass er bis heute dem Landtag, den Verbänden und der Öffentlichkeit vorenthält. Diese Gesetzgebung nach Gutsherrenart und zu Befriedigung einseitiger Lobbyinteressen ist der Erfolgsgeschichte der Wiederzulassung des Wolfes in Sachsen unwürdig."
Hintergrund:
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In der Anhörung waren sich die Experten einig, dass die lausitz-westpolnische Wolfspopulation in der Lausitz noch nicht groß genug und darum weiterhin streng zu schützen ist.
Die Sachverständigen hatten dargelegt, dass die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht den Schutz des Wolfes nicht verbessern, aber zu unnötigem Kompetenzgerangel führen würde. Zusätzlich zu den Naturschutzbehörden, würde der Wolf auch den Jagdbehörden unterstellt. Der Verwaltungsaufwand erhöht sich.
Würde der Wolf als jagdbares Wild ins Sächsische Jagdrecht aufgenommen, gäbe es die gesetzliche Möglichkeit, die Tiere zu schießen.
Die mit dem Jagdrecht verbundene Hegeverpflichtung für die Jäger gibt ihnen das Recht so genannte Hegeabschüsse auszuführen. Die Jäger könnten dann entscheiden, ob solch ein Abschuss z.B. aus Krankheitsgründen nötig würde.
Diese Auslegungspraxis kann weiteren Abschüssen Vorschub leisten.
Mecklenburg-Vorpommern hatte deshalb als letztes Bundesland den Wolf aus dem Jagdrecht genommen.