Datum: 18. April 2011

PM 2011-107: Energie/Klimaschutz – Sachsen muss für energetische Gebäudesanierung ein eigenes Programm auflegen

Zum heutigen Energiegipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten in Berlin erklärt Gisela Kallenbach, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:
"Es ist gut, dass es beim Energiegipfel auch um die energetische Sanierung von Gebäuden gehen soll. Hier steckt auch in Sachsen das größte Potenzial zur Einsparung von CO2-Emissionen."
"Doch auch wenn man sich einigen sollte, die Kürzungen des entsprechenden  Bundesprogramms wieder zurück zu nehmen, muss Sachsen auch selbst Anreize setzen. Sächsische Vermieter beteiligen sich bisher kaum an den Programmen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Das liegt zum einen an einer mangelnden Beratung und Öffentlichkeitsarbeit des Freistaates. Doch für viele sächsische Vermieter wirken reine Kreditprogramme für eine energetische Sanierung angesichts ihrer finanziellen Situation kaum aktivierend."
"Wir erneuern unseren Vorschlag als Anreiz für private Hausbesitzer und Wohnungsgesellschaften, ein sächsisches Investitionsprogramm mit einem jährlichen Volumen von 44 Mio. Euro für konsequente energetische Gebäudesanierung aufzulegen. Dabei soll die energetische Sanierung von Mietwohnungen durch Zuschüsse gefördert werden."
Die Zuschüsse sollen technikneutral nur für real eingesparten Kohlendioxidausstoß gezahlt werden. "Das fördert die Kreativität der Handwerker, Architekten und Ingenieure. Ob gedämmt wird, die Gasheizung optimiert oder Kohle durch Solarthermie ersetzt wird, bleibt dem Eigentümer überlassen. Dieses Anreizprogramm wäre gut für den Klimaschutz, aber auch das sächsische Handwerk würde von den etwa 300 Millionen Euro Gesamtinvestitionen profitieren."
"So könnten pro Jahr mehr als 17.000 Wohnungen in Sachsen energetisch saniert werden. Der Energieverbrauch würde um 150 Gigawattstunden jährlich sinken, dass entspricht etwa einer Einsparung 50.000 Tonnen CO2."
"Korrigiert werden muss zudem, dass die CDU/FDP-Regierung ausgerechnet der sächsischen Energieagentur SAENA, deren Aufgabe auch die Beratung zur energetischen Gebäudesanierung ist, die Mittel um 15 Prozent von 2 Mio. Euro auf 1,7 Mio. Euro jährlich gekürzt hat."
Ende März hatten 85 Besucherinnen und Besucher in Leipzig auf einer ‚Kommunalen Klimakonferenz‘ u. a. zur energetischen Gebäudesanierung diskutiert.

Hintergrund:
Momentan wird nur jede hundertste Wohnung in Sachsen pro Jahr saniert. Die Staatsregierung ist damit von ihrem selbst gesteckten Ziel einer Sanierungsquote von jährlich zwei Prozent meilenweit entfernt.
Immerhin knapp 40 Prozent der Gesamtenergie werden für die Gebäudeheizung verbraucht. In Sachsen liegen die CO2-Emissionen, die durch das Heizen bzw. Kühlen von Wohngebäuden verursacht wurden, immer noch bei ca. 4,6 Mio. Tonnen im Jahr und damit noch über dem Wert von 4,1 Mio. Tonnen aus dem Jahr 1994. Das bedeutet: 10 Prozent weniger Bewohner verursachen 13 Prozent mehr CO2 – und dies trotz verschärfter Energieeinsparverordnung im Neubau.
Erfahrungen des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen zeigen, dass je Euro stattlicher Förderung private Investitionen von 7 bis 8 Euro ausgelöst werden.